Statistik & Berichte

Trotz Lockdown mehr kriminaltechnische Untersuchungen

Im Bundeskriminalamt arbeiten Expertinnen und Experten der Kriminaltechnik mit modernsten Mitteln, um den Tätern auf die Spur zu kommen. 2020 wurden über 40.000 Einzeluntersuchungen durchgeführt.

Im Fokus jeder kriminaltechnischen Arbeit steht der Sachbeweis. Die 55 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kriminaltechnik untersuchen mit vielfältigen wissenschaftlichen und technischen Methoden und modernsten Geräten die sichergestellten Spuren. Zusätzlich unterstützen drei weitere Mitarbeiter aus dem Fachbereich Tatort die Arbeit der Kriminaltechnikerinnen und -techniker. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt über 40.000 Einzelanalysen für die Polizei und die Strafverfolgungsbehörden durchgeführt. Darunter fallen beispielsweise 25.134 Suchtmittelanalysen, 1.560 Schusswaffenuntersuchungen, rund 3.000 Urkundenuntersuchungen, 3.058 Analysen von Fasern, Haaren und Textilien sowie 90 Brände und drei Explosionen. Im Vergleich zum Vorjahr konnte trotz der Einschränkungen durch mehrere Lockdowns eine leichte Steigerung in der Anzahl der untersuchten Proben (2019: 38.800) erreicht werden.

Ermittlungen der Brandursache
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs Physik sind unter anderem für die Ursachenermittlung bei aufsehenerregenden Bränden zuständig. Um die möglichen Brandursachen zu ermitteln, muss der Brandverlauf rekonstruiert werden, damit der Brandausbruchsort eingegrenzt und dort die möglichen Ursachen gegeneinander abgewogen werden können. So gingen die Experten auch nach dem Brand in der Fabrik des Kartonhersteller Meyr-Melnhof in Hirschwang vor: Am 23. Februar 2020 wurde Feueralarm in einer der Lagerhallen ausgelöst. Die Feuerwehr konnte den Brand eindämmen und ein überspringen auf andere Werksteile verhindern, doch die Halle brannte nieder und verursachte einen Schaden von rund neun Millionen Euro. Die Expertinnen und Experten des Referats für Brand- und Explosionsursachen führten umfangreiche Untersuchungen vor Ort durch und stellten als mögliche Brandursache eine defekte Hallenbeleuchtung oder – wahrscheinlicher – Brandstiftung fest. Im April 2020 wurde ein Mitarbeiter der Firma als Brandstifter angeklagt.

Untersuchungen nach Terroranschlag in Wien
Nach dem Terroranschlag vom 2. November 2020 in Wien, bei dem ein Täter in der Wiener Innenstadt vier Menschen erschossen und 23 weitere Personen zum Teil schwer verletzt hatte, musste der Tatort ausgiebig untersucht und dokumentiert werden, um den Tatverlauf zu rekonstruieren. Hierfür rückte die 3D-Tatortgruppe mit ihrer neuen Technologie zur Tatortdokumentation aus. Doch nicht nur der Tatort musste untersucht werden, sondern unter anderem auch aus welcher Entfernung der Täter auf die getöteten Opfer schoss. Da der Täter auch zwei verschiedene Waffen benutzte, musste ebenfalls rekonstruiert werden, wann welche in Verwendung war. Die Waffen selbst wurden zudem waffentechnisch untersucht und Asservate aus den Hausdurchsuchungen von den weiteren Verdächtigen wurden im BK von den Kriminaltechnikerinnen und -technikern auf Sprengstoffspuren geprüft.

Diebstahl aus Bankschließfächern
Im November 2020 gelang einer unbekannten Tätergruppe ein großer Coup, denn sie hatten Schließfächer von zwei Bankfilialen in Niederösterreich und einer in Wien im Visier. Die Täter tricksten die Sicherheitssysteme aus und konnten eine Vielzahl der Schließfächer plündern, da diese nur wenig Widerstand gegen die Öffnung Unbefugter boten. Um in den Raum mit den Schließfächern zu gelangen, musste die Zutrittskontrolle beim Eingang überwunden werden. Wie sich herausstellte, wurden von den Tätern Teile zur Manipulation in die Zutrittskontrolle eingebaut. Diese wurden nach der Sicherstellung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kriminaltechnik untersucht, um mögliche Hinweise auf die Täter zu erhalten.

Artikel Nr: 18459 vom Donnerstag, 18. Februar 2021, 08:00 Uhr
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