Fahndung

Vermisst: Wenige Fälle ungeklärt

Mehr als 11.000 Abgängigkeiten wurden 2019 in den örtlich zuständigen Polizeiinspektionen in Österreich angezeigt. Über 98 Prozent der Fälle konnte die Polizei klären.

In Österreich werden täglich durchschnittlich 30 Personen bei der Polizei als vermisst gemeldet. Die Polizei wird nach Anzeigeerstattung umgehend mit Erhebungen aktiv. Die Dauer der Abgängigkeit spielt dabei keine Rolle. Die Polizei leitet eine Fahndung ein, wenn Suizidgefahr besteht oder eine Gewalttat bzw. ein Unfall passiert sein könnte. Auch wenn die abgängige Person auf Grund einer psychischen Behinderung hilflos ist oder das Leben anderer ernstlich gefährdet wird, wird rasch ermittelt. Wenn es sich um eine minderjährige Person handelt und ein Ersuchen eines berechtigten Elternteils vorliegt, werden ebenso alle Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. In den meisten Fällen klärt sich der Aufenthalt der Abgängigen innerhalb weniger Tage.

Derzeit sind 884 Menschen im "Elektronischen Kriminalpolizeilichen Informationssystem" (EKIS) als abgängig gespeichert, davon 498 Erwachsene und 386 Minderjährige. Eine Fahndung wird nur dann widerrufen, wenn die Person wiederauftaucht. Im Vergleich zum 1. Jänner 2019 (1.037 vermisste Personen) ist ein Rückgang der Fahndungen zu verzeichnen. In den letzten vier Jahren wurden durchschnittlich 85 Prozent der Vermisstenfälle nach einer Woche, 95 Prozent nach einem Monat, 97 Prozent nach sechs Monaten und 98 Prozent nach einem Jahr geklärt.

Kompetenzzentrum
Im Bundeskriminalamt (BK) wurde 2013 das Kompetenzzentrum für Abgängige Personen (KAP) eingerichtet. Zwei eigens dafür zuständige und erfahrene Kriminalbeamte arbeiten derzeit in dieser Einheit und kümmern sich um Grundsatzangelegenheiten des Vermisstenwesens mit dem Ziel, die österreichischen Sicherheitsdienststellen und in vielen Fällen auch die Angehörigen von vermissten Personen optimal zu unterstützen. Darunter fällt auch die Einleitung von Öffentlichkeitsfahndungen via Homepage und Facebook-Account des BK, Polizei-App, KATWARN und via Infoscreen in den öffentlichen Verkehrsmitteln.
Von den 13 im Jahr 2019 veröffentlichten Fahndungen konnten elf bereits widerrufen werden, da die Personen gefunden worden sind. Drei Personen konnten leider nur noch tot wiedergefunden werden, zwei Personen (eine Mutter und ihr von ihr entzogener Sohn) werden noch gesucht.

Erfolge
2019 hat das KAP auch vermehrt operativ an Fahndungen nach vermissten Personen mitgewirkt, wie zum Beispiel bei der Fahndung nach einem dementen Mann, der sich aus seiner Betreuungseinrichtung in Wien entfernt hatte. Nach einer erfolgreichen Kooperation mit den zuständigen Einheiten in Österreich und der Slowakei konnte der Mann letztendlich in der Slowakei aufgefunden und nach Wien zurückgebracht werden.
Ein weiterer aufsehenerregender Fall betraf eine in Portugal vermisste Salzburgerin, in dem das KAP das Landeskriminalamt Salzburg unterstützte. Nach einer fast fünfmonatigen Suche konnte die Vermisste – nach einem Suizid leider nur mehr tot – aufgefunden werden. Auch in diesem Fall wurden die internationalen Kommunikationskanäle zwischen Österreich und Portugal via Interpol erfolgreich genutzt.

Projekt "Heimvorteil"
Jedes Jahr betreffen mehr als drei Viertel – das sind mehr als 8.500 Anzeigen – aller Abgängigkeitsanzeigen Minderjährige, die von ihren Betreuungseinrichtungen als vermisst gemeldet wurden. Bei 7.000 Fällen handelte es sich um sogenannte Mehrfachabgängigkeiten. Das bedeutet, dass eine Person bereits dreimal oder öfter abgängig war. Das KAP versucht in diesem speziellen Fahndungsbereich eine Reduktion der Abgängigkeiten zu erreichen. 2016 wurde daher ein Konzept für zielgruppenorientierte Präventionsmaßnahmen in Betreuungseinrichtungen erstellt. Ziele des Projekts waren eine deutliche Senkung der Anzeigenzahl in den betroffenen Polizeiinspektionen sowie eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Sozialeinrichtungen und den örtlich zuständigen Polizeidienststellen. Seit März 2019 wurden etwa 120 Polizeibeamtinnen und -beamte eigens geschult. Mit Juni 2019 konnten diese Schulungen erfolgreich abgeschlossen werden.

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Artikel Nr: 17632 vom Mittwoch, 22. Jänner 2020, 08:00 Uhr
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