Statistik & Berichte

Suchtmittelkriminalität 2020

2020 ist die Zahl der angezeigten Suchtmitteldelikte leicht zurückgegangen, was auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie zurückzuführen ist. Seit 2017 liegen die jährlichen Anzeigen deutlich über 40.000.

2020 gingen die Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz (SMG) von 43.329 Anzeigen im Jahr 2019 auf 40.299 im Jahr 2020 um sieben Prozent zurück. Die Gründe für den Rückgang der Anfallszahlen liegen vor allem an den Maßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie, wie Reise- und Ausgangsbeschränkungen, die die Täter schließlich zu einer Umstellung beziehungsweise Anpassung ihrer gesamten Infrastruktur gezwungen hat. Der Handel im Internet beziehungswiese Darknet und die entsprechenden Sicherstellungen im Postversand boomten auch 2020.

Sichergestellte Suchtmittel
Rund 104 Kilogramm Heroin, 63 Kilogramm Kokain, 2.057 Kilogramm Cannabisprodukte, 89.000 Stück Ecstasy, 37 Kilogramm Amphetamin, neun Kilogramm Methamphetamin sowie 1.095 Kilogramm Khat wurden 2020 von der Polizei sichergestellt. Damit zeigt sich, dass Cannabisprodukte auch weiterhin zu den am meisten sichergestellten Suchtmittel in Österreich zählen, gefolgt von Heroin und Kokain. Bemerkt wird, dass rund zehn Kilogramm mehr Heroin, jedoch fast 25 Kilogramm weniger Kokain als im Vorjahr sichergestellt wurde. Bei der Gruppe der synthetischen Suchtgifte konnte hingegen ein Rückgang verzeichnet werden. Bei den beschlagnahmten Suchtmitteln konnte generell, aber besonders bei synthetischen Drogen, eine Qualitätssteigerung festgestellt werden.

Die Tatverdächtigen
2020 fand bei der Altersverteilung der Tatverdächtigen eine leichte Veränderung statt: Bei der Gruppe der 18- bis 39-Jährigen fiel der Rückgang mit rund zwölf Prozent am deutlichsten aus. Innerhalb der Altersgruppe der 25- bis 39-Jähringen wurden nach wie vor die meisten Anzeigen verzeichnet. Personen über 40 Jahre wurden um fast acht Prozent häufiger zur Anzeige gebracht als im Jahr zuvor. Bei der Geschlechterverteilung ergaben sich zu den Vorjahren keine gravierenden Änderungen: 84 Prozent der Angezeigten waren männlich, 16 Prozent weiblich. 26.562 Anzeigen wurden gegen österreichische und 11.401 Anzeigen gegen fremde Tatverdächtige erstattet.
Bei der Herkunft der Tätergruppierungen im Bereich der Schmuggler und Händler zeigte sich 2020 ein unverändertes Bild. Die Gruppen weisen meist ein Naheverhältnis zu den Drogenursprungsländern und jenen Staaten auf, die als Transit- und Depotland genutzt werden. Besonders Täter, die aus Ländern des Westbalkans stammen, waren für eine Vielzahl schwerer Formen der Suchmittelkriminalität verantwortlich. In diesem Bereich wird auch einer der Prioritäten im Jahr 2021 liegen.

Online-Suchtmittelhandel und Postversand
Der Online-Suchtmittelhandel spielt weltweit und so auch in Österreich eine wesentliche Rolle. Die Drogen werden im Internet oder Darknet bestellt und mit Postdienstleistern versandt. Bereits 2018 wurde zur Bekämpfung dieser Deliktsform ein spezialisiertes Referat im Bundeskriminalamt eingerichtet. Seit Beginn 2020 werden die operativen Ermittlungen mit Schwerpunktkontrollen der Postwege kombiniert. Diese Kontrollmaßnahmen werden in enger Kooperation mit der österreichischen Zollverwaltung des Bundesministeriums für Finanzen durchgeführt, um auch seitens der Kriminalpolizei den dadurch entstandenen Mehraufwand abdecken zu können. Im Jänner 2020 wurde die Arbeitsgemeinschaft "FLAVUS" innerhalb des Fachreferats installiert. Durch die entstandene Symbiose an zollrechtlichen- und kriminalpolizeilichen Maßnahmen konnten im Zeitraum zwischen 1. Jänner 2020 bis 31. Dezember 2020 insgesamt 3.045 Postsendungen mit einem Gesamtinhalt von rund 60 Kilogramm Suchtmitteln und neuen psychoaktiven Substanzen aufgegriffen und sichergestellt und mehrere Betreiber von sehr aktiven österreichischen Darknet-Shops für Suchtmittel ausgeforscht, festgenommen und bereits zur mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden.

Österreich im Detail
Der Lagebericht zur Suchtmittelkriminalität 2020 zeigt auch die detaillierten Entwicklungen in den Bundesländern. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Anzeigen in allen Bundesländern außer in Oberösterreich (plus rund vier Prozent) und in Tirol (plus rund sechs Prozent). In Wien kam es zu einem Rückgang um mehr als 13 Prozent.

Zusammenfassung und Ausblick
Österreich kommt aufgrund seiner geografischen Lage auf der Balkanroute sowohl als Transitland und Umschlagplatz für illegale Drogen und Sitz verschiedenster multinationaler Tätergruppierungen eine große Bedeutung zu. Der derzeit boomende Handel mit illegalen Suchtmitteln im Internet und Darknet bleibt weiterhin eine große Herausforderung für die Polizei. Diese Art des Drogenhandels muss im Wege des "Multi-Agency-Prinzips" in interdisziplinärer Zusammenarbeit bekämpft werden.

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Artikel Nr: 18668 vom Mittwoch, 19. Mai 2021, 13:05 Uhr
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