Kriminalitätsbekämpfung

Einbrecherbande ausgeforscht

Kriminalisten des Bundes- und des Landeskriminalamts Wien klärten eine Serie von Wohnungseinbrüchen, bei denen ältere und pflegebedürftige Menschen Opfer wurden.

Im Jänner 2021 kam es in Wien vermehrt zu Wohnungseinbrüchen bei hochbetagten beziehungsweise pflegebedürftigen Menschen. Die Ermittler des Landeskriminalamts (LKA) Wien nahmen gemeinsam mit dem Referat für Einbruchsdiebstahl im Bundeskriminalamt (BK) die Ermittlungen auf. Die Opfer der Wohnungseinbrüche waren Personen zwischen 70 und 100 Jahre alt und pflegebedürftig. Mindestens zwei Täter verschafften sich stets zwischen ein und vier Uhr früh durch Nachsperren der Wohnungstüren Eintritt bei den Opfern und durchsuchten die Wohnungen nach Wertgegenständen. Als Nachsperren bezeichnet man das Manipulieren eines Schlosses, also das zerstörungsfreie Öffnen davon. Wachten die Opfer auf, dann gaben sich die Täter als Pflegekräfte aus.

Geografische Analyse
Innerhalb eines Monats kam es zu mehr als fünfzig derartiger Straftaten. Die Täter agierten immer routinierter und dreister, oft wurden mehrere Einbrüche pro Nacht verübt und auch Wohnhausanlagen mehrmals aufgesucht. Da weder daktyloskopische noch biologische Spuren sichergestellt werden konnten, konzentrierten sich die Ermittler vorerst auf die geografische Analyse der Tatorte, die zeigten, dass die Täter Großteils Gebiete im 11., 14., 16. und 23. Wiener Gemeindebezirk aufsuchten. Da die Täter jede Nacht zuschlugen und eine Gefahr für Leib und Leben bei den Opfern nicht ausgeschlossen werden konnte, wurden im Februar vorsorglich Observationsteams bestehend aus Polizistinnen und Polizisten des LKA, BK und der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) gebildet und gefährdete Gebiete innerhalb der typischen Tatzeit unter Beobachtung gehalten. Innerhalb von vier Tagen gelang es ein Tatfahrzeug sowie zwei Adressen von Verdächtigen auszuforschen.

Kriminelles Netzwerk
Am 19. Februar 2021 konnten nach einem versuchten Wohnungseinbruch zwei Verdächtige festgenommen werden. Die daraufhin folgenden Ermittlungen gemeinsam mit der operativen Kriminalanalyse und der Open-Source-Intelligence-Analyse (OSINT) des Bundeskriminalamts ließen auf eine kriminelle Vereinigung serbischer Staatsangehöriger mit Wohnsitzen in Österreich schließen. Die Mitglieder der kriminellen Vereinigung zeigten sich für unterschiedlichste Straftaten in Wien und Umgebung verantwortlich. Bei der Tätergruppe handelt es sich um ein auf Familien- beziehungsweise Clanbeziehungen aufgebautes Netzwerk, deren Mitglieder in Österreich Sozialleistungen, wie Notstandshilfe, Arbeitslosengeld oder Frühpension beziehen. Die Auswertungen und Ermittlungen ergaben, dass die Täter arbeitsteilig vorgingen und in mehreren Schritten durchführten. Tagsüber wurden die Zieladressen ausgekundschaftet. In der Nacht zwischen ein und vier Uhr fanden die Einbrüche in die Wohnungen statt. Die Täter suchten gezielt nach Bargeld, Schmuck und Bankomatkarten, mit denen sie noch in derselben Nacht Bargeldbehebungen durchführten, wenn sie auch den Bancomatcode vorfanden.

Verurteilungen
Bei zwei Hausdurchsuchungen konnte ein Teil der Beute sichergestellt und soweit dies möglich war, den Geschädigten wieder zurückgegeben werden. Dank der professionellen Tatortarbeit gelang es zudem, weitere Tatverdächtiger zu identifizieren und die Struktur einer kriminellen Vereinigung nachzuweisen. Mit Hilfe der OSINT-Analyse ist es gelungen, die Lichtbilder der Bankomatbehebungen einigen Profilen in sozialen Medien und damit Mitgliedern der kriminellen Vereinigung zuzuordnen. Das führte zur Festnahme eines weiteren Täters. Auch die Auswertung der Mobilfunkdaten belastete die Verdächtigen schwer. Insgesamt konnte die Polizei elf Verdächtige bei der Staatsanwaltschaft Wien anzeigen. Am 24. November 2021 wurden vier Täter am Landesgericht Wien zu jeweils vier und 2,5 Jahre bzw. 27 und acht Monaten rechtskräftig verurteilt.

Artikel Nr: 19171 vom Freitag, 26. November 2021, 07:00 Uhr
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