Statistik & Berichte

Anzeigen rückgängig: Aufklärungsquote über 50 Prozent

Der langjährige Trend der rückläufigen Kriminalitätsrate bestätigte sich 2017. Die Zahl der Anzeigen sank um 27.256 Fälle oder 5,1 Prozent, die Aufklärungsquote stieg erstmals über 50 Prozent. Charts in der Slide-Show unten.

Innenminister Herbert Kickl, die Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit, Dr. Michaela Kardeis, und der Direktor des Bundeskriminalamts, General Franz Lang, präsentierten am 22. März 2018 in Wien die Kriminalstatistik 2017. "Erfreulich in der Kriminalstatistik 2017 ist, dass die Zahl der Anzeigen rückgängig und die Aufklärungsquote über die 50-Prozent-Marke gestiegen ist", sagte der Innenminister. "Ich möchte den Polizistinnen und Polizisten und den Bediensteten des Innenressorts danken, die für diese positiven Entwicklungen verantwortlich sind."

Die Verbrechensprävention müsse weiter gestärkt werden, betonte Kickl. "Die 2.100 zusätzlichen Planstellen und 2.000 Ausbildungsplanstellen im Lauf der Legislaturperiode werden dazu einen wesentlichen Beitrag leisten." Es müsse technisch nachgerüstet und die Kommunikation zwischen den Behörden gestärkt werden. "Zur Abschreckung und angemessenen Bestrafung von Tätern bei Verbrechen im Bereich der Gewalt- und Sexualkriminalität müssen die Strafen erhöht werden", sagte Kickl. "Mit der Task Force Strafrecht wurde hier die Arbeit bereits begonnen." Auch müsse beim Asylrecht nachgeschärft werden, beispielsweise indem "wir wieder Schubhaft für Asylwerber unmittelbar anschließend an eine verbüßte Strafhaft möglich machen."

"Wir sind in der Kriminalitätsbekämpfung sehr erfolgreich. Die Gesamtkriminalität ist weiter gesunken und wir können immer mehr Straftaten aufklären", sagte Generaldirektorin Michaela Kardeis. "Die Kriminalitätsformen, die uns in den letzten Jahrzehnten beschäftigt haben, beispielsweise Wohnraumeinbrüche, Kfz-Diebstähle und Gewaltdelikte, sind weniger geworden. Aber es gibt weiterhin viel zu tun, denn die Kriminalität im Internet und im Bereich der Wirtschaft ist weiter angestiegen."

"Im Jahr 2018 werden wir den Kontroll- und Ermittlungsdruck insbesondere bei Gewalt- und Drogendelikten noch einmal erhöhen", sagte General Franz Lang. Im Rahmen der Pressekonferenz wurden neben den Zahlen auch die Schwerpunkte und Herausforderungen der kommenden Jahre präsentiert.

Wohnraumeinbruch sinkt, Tötungsdelikte steigen

2017 ist die Zahl der Anzeigen um 5,1 Prozent auf 510.536 gesunken (2016: 537.792, 2008: 570.952). Die Aufklärungsquote ist um 4,2 Prozentpunkte auf 50,1 Prozent gestiegen (2016: 45,9 Prozent, 2008: 38,2 Prozent). Der Wohnraumeinbruch ist um neun Prozent auf 11.802 Anzeigen zurückgegangen (2016:12.975, 2008: 18.566), der Kfz-Diebstahl verzeichnete 2017 mit 2.658 Anzeigen den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre (2016: 2.994, 2008: 8.622). Der Wohnraumeinbruch (über 81 Prozent) und der Kfz-Diebstahl (über 71 Prozent) wurden überwiegend von fremden Tatverdächtigen begangen.

Die Anzeigen wegen Gewaltdelikte waren 2017 um 2,4 Prozent rückläufig (2017: 42.079 Anzeigen, 2016: 43.098, 2008: 43.090), die Zahl der Tötungsdelikte ist gestiegen: 2017 musste die Polizei 54 vollendete Taten (§§ 75, 76, 79 StGB) registrieren (2016: 46, 2008: 45). 49 der 54 Tötungsdelikte aus 2017 sind geklärt.

Konstant hoch blieb der Beziehungsstatus bei Gewaltdelikten: Bei zwei Drittel der Taten kennen sich Täter und Opfer. Auffällig ist der enorme Anstieg von Hieb- und Stichwaffenverwendung bei Gewaltdelikten. Die Zahl der Anzeigen ist von 272 im Jahr 2008 auf 1.060 Anzeigen im Jahr 2017 gestiegen (2016: 1.153). Bei den Tatverdächtigen liegen die fremden vor den inländischen (2017: 635 fremde Tatverdächtige und 516 inländische Tatverdächtige).

Die Zahl der Anzeigen wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung (§§ 201, 202, 205, 206, 207, 207a und 207b StGB) ist 2017 um 0,7 Prozent leicht angestiegen (2017: 2.750, 2016: 2.732, 2008: 2.582). Die Anzeigen wegen Körperverletzungen sind 2017 um 2,7 Prozent auf 39.125 Anzeigen gesunken (2016: 40.222, 2008: 40.406).

Delikte verschieben sich ins Internet

Die zukünftig größte Herausforderung für die Polizei stellen Delikte dar, die im Internet passieren. "Hier muss die Polizei mit dem gesellschaftlichen Trend auf Augenhöhe gehen und Antworten geben können", sagte der Innenminister. Die Zahlen zeigten 2017 einen erneuten Anstieg der Internetkriminalität von 28,3 Prozent auf 16.804 Anzeigen (2016: 13.103, 2008: 3.291). Neben IT-Delikten wie Hacking oder Datenmissbrauch stiegen auch der Internetbetrug, Cybermobbing und Kinderpornographie. Beim Internetbetrug wurden 2017 über 2.000 Delikte mehr angezeigt als 2016. Das bedeutet einen Anstieg innerhalb eines Jahres um 21,6 Prozent. (2017: 11.761, 2016: 9.672, 2008: 2.129) Die Aufklärungsquote liegt derzeit bei 39 Prozent. Auch der Betrug mit Kreditkarten ist 2017 um 27,5 Prozent auf 2.015 Anzeigen (2016: 1.580, 2008: 734) gestiegen. Die Wirtschaftskriminalität gesamt ist um 2,6 Prozent auf 55.308 Anzeigen gestiegen (2016: 53.905, 2008: 43.252).

Antworten auf die Herausforderungen

Die Polizei macht sich aufgrund dieser Entwicklungen fit für die Zukunft. Die Cyber-Einheiten werden ausgebaut und spezialisiert. Das Cybercrime-Competence-Center (C4) im Bundeskriminalamt wird in den kommenden Jahren zu einer modernen High-Tech-Crime-Unit ausgebaut. Neue technische Applikationen sollen die Arbeit erleichtern und die Ermittlungserfolge erhöhen. Durch Analyseprogramme sollen Schwerpunktaktionen umgesetzt werden können. Digitale Systeme zur Untersuchung von Tatort- oder Schusswaffenspuren, Verdachtsmaterial auf Kinderpornographie oder Menschenhandel sollen die Polizei zukunftsfit machen.

Auch die internationale Polizeiarbeit und der Datenaustausch sollen verstärkt werden. Der Prümer Datenverbund wird auf Südosteuropa ausgedehnt, die österreichischen Datenbanken mit den EU-Datenbanken vernetzt sowie die Gesichtserkennung eingeführt. Die Passenger Informations Unit (PIU) wird neu eingerichtet sowie die Geldwäsche- und Finanzermittlungen mit neuer Technik ausgestattet und international enger vernetzt.

Dokumente:

Generaldirektorin für die öffentliche Sicherheit Dr. Michaela Kardeis und General Franz Lang bei der Präsentation der Kriminalstatistik 2017
Foto: ©  BK

Artikel Nr: 15699 vom Donnerstag, 22. März 2018, 12:45 Uhr
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