Kriminalitätsbekämpfung

320 Treffer nach ersten Tatortspurenabgleichen

Am 08. Juli 2019 startete Österreich mit Großbritannien die "Prüm-DNA-Kooperation". Das Ergebnis dieses ersten Abgleichs waren 320 Treffer von offenen Tatortspuren auf gespeicherte Personendaten. In Österreich werden diese Treffer zur Klärung von rund 100 Einbruchsdiebstählen und gewerbsmäßigen Diebstählen sowie auch von einigen schweren Raubdelikten führen.

Im sogenannten "Prüm Datenverbundnetz" können die EU-Mitgliedstaaten DNA-Daten und auch Fingerabdruckdaten ihrer nationalen kriminalpolizeilichen Datenbanken wechselseitig in anonymisierter Weise abgleichen. Diese Polizeikooperation wurde 2006 zwischen den Hauptentwicklerstaaten Österreich und Deutschland erstmals operativ gestartet und auf Grund der sofort feststellbaren Effizient mit einem EU-Beschluss 2008 für alle EU-Staaten als verbindlich umzusetzen fixiert. Die Onlinekooperation von biometrischen Daten hat sich seit diesem Zeitpunkt zum erfolgreichsten Instrument zur Bekämpfung schwerer internationaler Kriminalität innerhalb der EU entwickelt, weshalb diese Kooperationsform auch bereits weltweit von anderen Staaten nachgebildet wird.

Österreich ist nicht nur einer der Entwicklerstaaten dieser Kooperationsform, sondern auch der am besten vernetzte EU-Staat, welcher derzeit bereits mit 24 weiteren EU-Staaten DNA- und Fingerabdruckdaten online binnen weniger Minuten abgleichen kann.

Allein in Österreich wurden in dieser Prüm-Kooperation seit dem Start Ende 2006 mit DNA- und Fingerabdrucktreffern in über 14.000 Fällen mit Tatortspuren Straftäter identifiziert. In weiteren 14.600 Fällen konnten durch Spurzusammenhänge grenzüberschreitende Tatortserien von Straftätern, die in ganz Europa aktiv sind, erkannt werden. Zusätzlich wurden durch den Abgleich solcher biometrischen Daten in dieser Kooperation 7.137 Straftäter, die falsche Aliasidentitäten verwendeten, richtig identifiziert werden und 9.436 von Österreich oder österreichischen Prüm-Partnern gefahndete Straftäter lokalisiert werden.
Österreichische Experten haben Großbritannien, welches mit über 5 Millionen DNA Profilen die mit Abstand größte DNA Datenbank in Europa besitzt, in den letzten zwei Jahren intensiv bei dieser Prüm Umsetzung unterstützt und konnte nunmehr nachdem das Vereinigte Königreich im Juni nach positivem EU Implementierungsbeschluss den Echtbetrieb aufnehmen durfte auch als erster Staat der EU im Juli diesen Betrieb mit Großbritannien starten.

Großbritannien hat bei diesem ersten Abgleich Spuren von rund 200.000 ungeklärten Fällen gegen die österreichische DNA-Datenbank, und Österreich rund 40.000 offene Spuren gegen die DNA-Datenbank von Großbritannien abgeglichen. Diese Fälle wurden nur mit den jeweiligen gespeicherten DNA-Informationen in anonymisierter Form abgeglichen und werden im Trefferfall durch Sachverständige auf Richtigkeit geprüft bevor weitere Personaldaten ausgetauscht werden.

Das Ergebnis dieses ersten Abgleichs sind 320 Treffer von offenen Tatortspuren auf gespeicherte Personendaten. In Österreich werden diese Treffer zur Klärung von rund 100 Einbruchsdiebstählen und gewerbsmäßigen Diebstählen sowie auch von einigen schweren Raubdelikten führen. Die klärbaren Delikte im Vereinigten Königreich werden erst nach dortiger forensischer Prüfung und Anforderung der Hintergrunddaten bekannt. Nach ersten Informationen der Experten des Vereinigten Königreiches werden aber dort auch die Klärungen von mehreren schwersten Straftaten möglich sein.

Zu einigen in Österreich gespeicherter Straftäter welche mit offenen Tatortspuren aus Großbritannien übereinstimmten, wurden den Ermittlungsbehörden von Großbritannien vom Bundeskriminalamt aber bereits die weiteren Daten von identifizierten Tatverdächtigen bereitgestellt. Mit deren DNA Profilen dürften jedenfalls auch schon ein Mord und mehrere Sexualdelikte nun in Großbritannien der Klärung zugeführt werden.
Großbritannien ist nun auch in der Lage mit den anderen operativfähigen EU-Mitgliedsstaaten diesen Echtbetrieb aufzunehmen und wird dies bereits in den nächsten Wochen schrittweise durchführen. Nach Vollbetriebsaufnahme aller EU-Staaten mit dem Vereinigten Königreich werden jedenfalls Klärungen zumindest tausender möglicherweise auch zehntausender weiterer Straftaten in ganz Europa möglich sein.
In Österreich werden Personen erkennungsdienstlich mit DNA-Ermittlung behandelt, wenn sie im Verdacht einer strafbaren Handlung gegen die sexuelle Integrität und Selbstbestimmung oder einer vorsätzlich gerichtlich strafbaren Handlung mit Strafdrohung von mindestens einjähriger Freiheitsstrafe steht. Derzeit sind in Österreich 236.405 DNA-Profile von verurteilten und verdächtigen Personen gespeichert.

Artikel Nr: 17169 vom Montag, 22. Juli 2019, 09:09 Uhr
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