Kriminalitätsbekämpfung

Von Österreicher durch "Live-Streaming" sexuell missbrauchtes Kind auf Philippinen befreit

Ein in Österreich wohnhafter 45-Jähriger überwies Geld auf die Philippinen, um Missbrauchsmaterial von einem 10-jährigen Mädchen zu erhalten. Nach einem Hinweis aus Österreich konnten die philippinischen Behörden erneut ein sexuell missbrauchtes Kind lokalisieren und retten.

Bei einer Hausdurchsuchung im Rahmen inländischer Ermittlungen wurden Datenträger sichergestellt, auf denen kinderpornographische Inhalte gespeichert waren. Die Auswertung des Missbrauchsmaterials ergab, dass es sich bei einigen der sichergestellten Fotos um ein minderjähriges, asiatisches Mädchen handelte. Bei der Auswertung der Zahlungen, die der österreichische Beschuldigte auf die Philippinen tätigte, konnten von den Expertinnen und Experten des Bundeskriminalamts Informationen zum Aufenthaltsort des missbrauchten Kindes ermittelt werden. "Dieser Ermittlungserfolg zeigt, dass sexuelle Ausbeutung von Kindern keinen Platz hat, egal in welchem Land", betonte Innenminister Mag. Gerhard Karner. "Die Behörden werden weiterhin grenzüberschreitend agieren und vehement gegen diese abscheulichen Verbrechen vorgehen."

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Die für die Philippinen zuständige Verbindungsbeamtin des Innenministeriums teilte in enger Abstimmung mit dem Referat "Sexualdelikte und Kinderpornographie" des Bundeskriminalamts sowie dem zuständigen Landeskriminalamt, Ermittlungsbereich "Sexualdelikte", die Hinweise zum Missbrauch des philippinischen Kindes mit dem "National Bureau of Investigation" (NBI) im 10.000 Kilometer von Wien entfernten Manila (Philippinen). Das NBI ist eine polizeiliche Ermittlungseinheit, die unter anderem bei Verdachtsfällen von sexuellem Kindesmissbrauch mithilfe des Internets auf den Philippinen zuständig ist. "Ich danke meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die tagtäglich mit vollem Engagement gegen diese verachtungswürdige Art der Kriminalität vorgehen und die, wie in diesem Fall ersichtlich, Täter auch fernab von Österreich ausforschen", erklärte der Direktor des Bundeskriminalamts, Mag. Andreas Holzer, MA.

Live-Streaming
Bei diesem Verbrechen misshandelt eine Bezugsperson auf den Philippinen ein Kind, während eine Person – meist aus einem westlichen Land – dafür bezahlt und den sexuellen Missbrauch in Echtzeit streamt oder Videos und Fotos dafür übermittelt bekommt. "Wir nehmen bei allen Delikten eine Transnationalisierung und Verlagerung in den digitalen Raum wahr", bemerkte der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit Dr. Franz Ruf. "Als österreichische Bundespolizei begegnen wir den Verbrechen dort, wo sie geschehen. Es freut mich, dass durch die kompetente Arbeit des Bundeskriminalamts dieser internationale Erfolg gelungen ist."


Ermittlungen führten nach Davao
Weitere Abklärungen durch die Polizistinnen und Polizisten des NBI bestätigten den österreichischen Verdacht und führten die Ermittlerinnen und Ermittler in die philippinische Unruheprovinz Davao, wo Ende September das sexuell missbrauchte Mädchen bei einem Polizeieinsatz lokalisiert und identifiziert wurde. Weitere Erhebungen ergaben, dass das Missbrauchsmaterial von seiner älteren, damals bereits volljährigen Schwester angefertigt und dem österreichischen Beschuldigten übermittelt wurde. Das missbrauchte Mädchen wurde zur weiteren Betreuung Vertretern einer Sozialeinrichtung übergeben.


Studie zum Ausmaß des Schadens
Die Studie "Scale of Harm" (sinngemäß: "Ausmaß des Schadens") wurde gemeinsam von der NGO "International Justice Mission" sowie dem Rights Lab der Universität Nottingham erstellt und versucht erstmals, die Ausbreitung von sexuellem Kindesmissbrauch mithilfe des Internets auf den Philippinen zu quantifizieren. Ergebnis der Hochrechnung ist, dass im Jahr 2022 fast eine halbe Million philippinischer Kinder sexuell missbraucht wurde, um durch Verkauf von Missbrauchsmaterial Geld zu generieren (das entspricht einem von 100 philippinischen Kindern). Zudem wird geschätzt, dass fast eine Viertelmillion erwachsener Filipinos im Jahr 2022 Kinder sexuell missbraucht hatten, um mit ihnen Missbrauchsmaterial herzustellen (das entspricht drei von 1.000 Filipinos). Die Philippinen wurden in den vergangenen Jahren zu einem weltweiten Hotspot für die Herstellung und Verbreitung von derartigem Missbrauchsmaterial – dessen Motivation auf Seiten der philippinischen Missbrauchstäter klar finanzieller Natur ist.

Artikel Nr: 26302 vom Sonntag, 12. November 2023, 08:30 Uhr
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