Wirtschaftskriminalität

Großer Schaden durch Online-Anlagebetrug

Bereits im Herbst 2020 wurde der "Wolf von Sofia" rechtskräftig verurteilt, die Ermittlungen dauern aber weiter an. Bisher wurden 1.330 österreichische Opfer und eine Schadenssumme von rund 2,6 Millionen Euro ermittelt.

Am 1. September 2020 wurde das erste Ermittlungsverfahren wegen schwerem gewerbsmäßigen Betrug mit manipulierten Handelsplattformen sowie Geldwäsche abgeschlossen. Der "Wolf von Sofia", Gal B., wurde rechtskräftig zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt. Auf dieses Urteil folgten Anschlüsse von Privatbeteiligten in der Höhe von über 1,7 Millionen Euro.
Zusätzlich konnte eine zweite Tatverdächtige, die Ehefrau des Verurteilten, ausgeforscht werden. Ihr wird der Tatbeitrag zum schweren gewerbsmäßigen Betrug und zur Geldwäsche vorgeworfen, ein Urteil steht noch aus. Gegen Gal B. laufen noch weitere Ermittlungen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und England. Der Schaden dürfte sich weltweit, mit dem Schwerpunkt im europäischen Raum, auf über 100 Millionen Euro belaufen.

Hintermänner
Das Bundeskriminalamt analysierte gemeinsam mit dem Landeskriminalamt Niederösterreich die von den Betrügern eingesetzten Malversationen. Bei dem umfangreichen Ermittlungsverfahren, das unter der Aufsicht der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft steht, kristallisierten sich weitere Hintermänner heraus. So ist auch der Gründer der manipulierbaren Software "Tradologic", die auf den Online-Betrugsplattformen "I-OPTION888, II-OPTIONSTARS, III-SPEARTRADER" gezielt zum Einsatz kam, in den Fokus der Ermittlungen geraten.
Der Beschuldigte erschuf ein umfangreiches digitales Ökosystem, das neben der Trading-Software auch Webseiten, Callcenter, Zahlungsdienstleister und ein Geldwäschenetzwerk umfasste. "Tradologic" ermöglichte es den Betrügerinnen und Betrügern, die Kontrolle über die Trading-Verläufe zu behalten. So lagen Verluste und Gewinne in ihren Händen.

Betrugsmasche
Die Opfer werden mit hohen Gewinnversprechen bei relativ niedrigen Starteinsätzen auf die Webseiten der Betrügerinnen und Betrüger gelockt. Sobald das Startkapital eingezahlt wird, werden die Opfer von Callcenter-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter angerufen. Diese versuchen die Geschädigten mit ihrer raffinierten Art Verkaufsgespräche zu führen und zu weiteren, höheren Einsätzen zu überreden. Die Callcenter-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sind bestens geschult, zudem wirken die Broker-Webseiten täuschend echt, was das Erkennen eines Internetbetrugs auf den ersten Blick erschwert, wodurch die Geschädigten zu weiteren Zahlungen verleitet werden. Das eingezahlte Geld fließt jedoch in Geldwäschenetzwerke. Die Opfer haben somit keine Möglichkeit auf eine Auszahlung.

Das Bundeskriminalamt setzt gemeinsam mit den Landeskriminalämtern auf Aufklärung und Information, um so die Bevölkerung vor dem Anlagebetrug im Internet zu warnen und auf solche Fälle zu sensibilisieren.
Folgende Signale können Hinweise auf einen Online-Anlagebetrug sein:
• Professionell wirkende Trading-Webseiten (Forex Trading, binäre Optionen und dergleichen), die mit einem geringen Start-Investment von 250 Euro werben. Dies dient der Überwindung für die erste Einzahlung.
• Es wird mit außergewöhnlich hohen Gewinnen und individuellen Auszahlungen gelockt.
• Es gibt keine detaillierte und nachvollziehbare Beschreibung des hohen Risikos. Einzig wird auf die Dringlichkeit für Kapitalnachschüsse aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Lage hingewiesen.
• Das Alter der verwendeten Domain ist relevant. Vorsicht bei neuen Registrierungen.
• Das Impressum (Firmenstandort, Erreichbarkeiten, verantwortliche Personen) sind widersprüchlich.

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Artikel Nr: 18380 vom Donnerstag, 14. Jänner 2021, 10:00 Uhr
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